Unser Chronik

Schon längst vor der Gründung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr erkannte man die Nützlichkeit einer solchen seitens der Einwohnerschaft Scheibenbergs an, bis endlich nach einem abermaligen Brande im Sommer 1862 der Amtskopist und Turnwart August Weigel auf Anregung verschiedener Einwohner sich der Sache annahm und durch ein „Patent“ die letzteren zur Gründung einer Feuerwehr aufforderte.“
In dieses Einladungspatent, datiert unter dem 22. Oktober 1862, zeichneten sich 71 Mann ein und bekundeten damit ihre Absicht, sich „diesem wohltätigen Institut anzuschließen“ und sich „sodann Sonntag, den 26.Oktober 1862, Abends 18.00 Uhr auf hiesigem Schießhause sich der nötigen Beratung einzufinden“.

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Es hatten sich 50 Mann zu dieser ersten Beratung eingefunden, die im Protokoll namentlich aufgeführt sind. Darunter befinden sich erstaunlicherweise auch Bürger aus Buchholz, Eibenstock, Elterlein, Gottesgab, Grünewald (bei Bautzen), Jöhstadt, Naumburg und Schwarzenberg. Diese „50 Mann haben sich verpflichtet, der Feuerwehr beizutreten und als Feuerwehr auch allen Anordnungen ihrer Vorgesetzten nachzukommen versprochen“.

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Dieser 26. Oktober 1862 ist also nachweislich der Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr in Scheibenberg Weigel meldete die Gründung der Wehr dem Stadtrat und dem Herrn Feuerpolizeikommisar Wilhelm Meusel.
Die Statuten der neuen Wehr wurden am 18. Dezember 1862 vom Stadtrat genehmigt, der „die Sache bereitwilligst unterstützte“. Es wurde eine genaue Aufstellung über anzuschaffende Werkzeuge und Apparate „der Stadtgemeinde behufs Beschaffung von Mitteln vorgelegt, wie man überhaupt alles versuchte, um Geld zu erlangen“. So sollten u.a. „20 Stück kleinere Hacken für die Retter, 15 Stück größere dergleichen für die Einhacker, 15 Stück sogenannte Spitzhacken mit Beil sowie 3 Rettungsseile mit Haken, Dachleitern (schwacher Konstruktion) und 50 Gurte für die gesamte Feuerwehr angeschafft werden. Beim Vergleich dieser Utensilien mit der Ausrüstung einer Feuerwehr unserer Tage wird erkenntlich, wie schwer und kompliziert eine Brandbekämpfung damals war. Wem noch die Trompetentöne im Ohr sein sollten, mit denen die Feuerwehrmänner zum Dienst oder zum Einsatz bis in die dreißiger Jahre in manchen Orten auch noch ein paar Jahre länger gerufen worden waren, der lese bitte einen weiteren Auszug aus dem o.a. Protokoll. „Um nun bei Proben sowie bei Feuern ein Signal, durch welches die Proben und der Brand kund gegeben wird, zu haben, so ist darüber die Bestimmung getroffen worden, dass in jedem Stadtvierteile ein Mann dies durch einem Blasinstrumente kund gibt.“ Dieses Signal war bei den Feuerwehrleuten und auch bei der Einwohnerschaft unter der Umsetzung „Feuerwehr, zieh´s Röck´l aa ein Begriff.
Am 6 März 1864 fand der erste Ball der Feuerwehr statt. Diese Feuerwehrbälle, jährlich ein Mal abgehalten, wurden im Laufe der Jahre für die Feuerwehrmänner und ihre Frauen zu einer schönen Tradition. Aus einem Revisionsbericht vom gleichen Tag ist zu ersehen, dass die Mannschaft nunmehr mit einem Helm ausgestattet sind.

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Am 10. November 1866 wurde beschlossen, die städtische Spritzenmannschaft in die freiwillige Feuerwehr einzugliedern. Berichtet wird von einer Versammlung am 10. April 1865, auf der wiederum 14 Turner in die freiwillige Feuerwehr aufgenommen worden waren. Bekannt ist auch aus anderen Orten, das es die organisierten Turner waren, die schon vor der Gründung der Feuerwehren helfend eingriffen, wenn es um die Brandbekämpfung ging.
Aus allen in vorstehendem behandelten Auszügen aus den Gründungsakten ist es zu ersehen, dass die Scheibenberger Feuerwehr nach anfänglichem großen Eifer auch schwere Zeiten durchstehen musste, die das Weiterbestehen manchmal in Frage stellten. Aber immer wieder haben sich Männer gefunden, die sich angesichts des gemeinnützigen Zwecks der Wehr angenommen haben. So ist die Wehr auch heute noch seit ihrer Gründung aus dem Leben der Bergstadt Scheibenberg nicht mehr wegzudenken.

Die Aufzeichnungen verdanken wir dem Kameraden Heini Köhler, der die Geschichte unserer Wehr nachgeforscht hat.